Internationalen Tag der Pflege
12.05.2026
Am 12. Mai, dem Internationalen Tag der Pflege, sagen wir nicht nur Danke – wir werden laut.
Pflege trägt unsere Gesellschaft. Jeden Tag. Rund um die Uhr. Und doch stehen besonders die ambulante Versorgung und alternative Wohnformen wie Pflege-Wohngemeinschaften zunehmend unter Druck. Deshalb unterstützen wir die Kundgebung des Evangelischen Verbands für Altenarbeit und Pflege (EVAP) am 12. Mai mit voller Überzeugung.
Der aktuell diskutierte Referentenentwurf zur Pflegereform verspricht Verbesserungen – doch aus Sicht der Praxis bleiben entscheidende Fragen unbeantwortet. Für die ambulante Pflege und unsere Wohngemeinschaften drohen sogar spürbare Verschlechterungen: steigender bürokratischer Aufwand, unklare Finanzierungsstrukturen und fehlende Antworten auf den dramatischen Personalmangel.
Besonders kritisch sehen wir – gemeinsam mit dem EVAP – die geplante Streichung der Vollfinanzierung tariflicher Löhne in der häuslichen Pflege. „Die vorgesehene Streichung der Vollfinanzierung der Tariflöhne in der häuslichen Pflege ist schlichtweg unverantwortlich“, so Elke Ronneberger, Bundesvorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. „Wer die Refinanzierung tariflicher Löhne in der Pflege streicht, gefährdet nicht nur die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte, sondern setzt auch die wirtschaftliche Existenz vieler Träger aufs Spiel – und riskiert damit die Versorgungssicherheit für die Menschen, die auf Pflege angewiesen sind. Dies ist eine Abkehr von den bisherigen politischen und gesellschaftlichen Zielen, die pflegerische Versorgung durch bessere Arbeitsbedingungen zu stärken. Pflegeeinrichtungen sollen tarifgerecht bezahlen und Versorgung sichern, doch die Mittel für Personalkosten werden begrenzt. Das wirtschaftliche Risiko wird auf die Leistungserbringer verlagert – mit negativen Folgen für Angebotsstruktur und Versorgungssicherheit.“
Die Folgen sind absehbar – und sie betreffen unmittelbar die Menschen: Wenn Einrichtungen steigende Personalkosten nicht mehr refinanziert bekommen, drohen Leistungseinschränkungen, Angebotsabbau oder sogar Schließungen. Gleichzeitig wächst der Druck, Kosten weiterzugeben. Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen kann das spürbare finanzielle Mehrbelastungen bedeuten – bis hin zu steigenden Eigenanteilen oder dem Wegfall wohnortnaher Versorgungsangebote.
Was bedeutet das konkret? Weniger Zeit für Menschen. Mehr Druck für Pflegekräfte. Und eine wachsende Unsicherheit – finanziell wie strukturell – für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen.
Gerade unsere Wohngemeinschaften zeigen, wie gute Pflege aussehen kann: selbstbestimmt, nah am Alltag, individuell und würdevoll. Doch solche Versorgungsformen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen – keine zusätzlichen Hürden. Wenn Reformen an der Realität vorbeigehen, gefährden sie genau das, was sie eigentlich stärken sollten.
Wir fordern deshalb eine Pflegereform, die:
- die ambulante Versorgung stärkt statt schwächt
- Pflegekräfte spürbar entlastet
- innovative Wohn- und Versorgungsformen sichert und ausbaut
- und vor allem: den Menschen in den Mittelpunkt stellt
Der Tag der Pflege ist kein symbolischer Feiertag. Er ist ein Weckruf.
Pflege braucht endlich politische Entscheidungen, die tragen – nicht nur Versprechen. Wir stehen an der Seite unserer Mitarbeitenden, unserer Klientinnen und Klienten und ihrer Angehörigen. Und wir erwarten von der Politik, dass sie Verantwortung übernimmt.
Jetzt.

