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Was Hochschulstudenten aus Berlin auf dem Landgut Gronenfelde vorhaben

„Wir haben heute sogar Hafer und Sojamilch zum Kaffee“, sagt Jens Walsdorf im Schulungsraum der neuen Scheune in Gronenfelde mit einem Lächeln. Einerseits gibt das ein wenig Aufschluss über die Herkunft der Besucher, andererseits zeigt es auch die Wertschätzung durch den Leiter der Gronenfelder Werkstätten.

Wohl zum ersten Mal in der Geschichte der sozialen Einrichtung der Wichern Diakonie wurde in der letzten Woche ein Semesterprojekt einer Hochschule aus Berlin in Gronenfelde eröffnet. Zu Gast waren Studierende des 4. Semesters des Studiengangs Industrial Design der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) und es war beileibe kein einzelner Kurzbesuch. „Ziel ist es, dass die fünfzehn Studierenden jeweils eine Designlinie entwickeln, die in den Werkstätten hergestellt werden kann“, so die Professorin Pelin Celik und ihre Designkollegin und Lehrbeauftragte Franziska Schuh. Beide haben sich den Standort schon zwei Wochen vorher angeschaut und waren begeistert. Nicht nur von den technischen Möglichkeiten in den fast einem Dutzend verschiedenen Werkstattbereichen, sondern auch vom Miteinander aller. Am ersten Tag gab es für die Studierende aus Berlin erst einmal einen Rundgang durch die Bereiche. Schließlich sind Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigungen nicht das vorrangige Berufsziel der Studierenden. „Nach dem Studium gehen viele der Absolventen in die Industrie, etwa zu VW in die Forschung und Entwicklung, zu Bosch und Siemens Health oder zu Designagenturen oder Unternehmen, die die Digitalisierung in öffentlichen Institutionen vorantreiben", erzählt die Professorin. Allerdings so unterschiedlich die Bereiche in Gronenfelde, so auch die Studierenden und in den Werkstätten bieten sich gute Möglichkeiten zu lernen. Marina Jack hat schon eine Tischlerausbildung hinter sich und will auch nach dem Designstudium wieder in diesem Bereich arbeiten. Deswegen könnte die Holzwerkstatt ihr Anlaufpunkt werden. „Vielleicht entwickle ich eine Bank oder Ähnliches“, schwebt ihr vor. In dem, was sie entwerfen, sind die angehenden Industriedesign-Studierenden komplett frei. Erste Ideen werden präsentiert und dann auf die Machbarkeit geprüft. Schließlich müssen auch die Beschäftigten aus den Gronenfelder Werkstätten mit ihren verschiedensten Beeinträchtigungen mit in den Entwicklungsprozess einbezogen werden, denn die sollen die Stücke ja später fertigen können. Kontext, Konzept, Implementierung heißt der Dreiklang des Designprozesses. Den Kontext zumindest spürt Julian Riewesell schon. "Der Ort ist sehr spannend", sagt er auf dem Weg über das Landwirtschaftsgelände der Werkstätten. Ein kleines Kälbchen erregt dabei die besondere Aufmerksamkeit aller Großstadtgeprägten. Ihm schwebt jedoch etwas mit Keramik vor. Genaue Vorstellungen hat er aber noch nicht. „Ich möchte mich mit meinen Gedanken nicht ganz genau darauf festlegen“, so seine Intention während des Rundgangs. Ergebnisoffen sind auch die Erwartungen von Werkstatt-Geschäftsführer Jens Walsdorf, der die Zusammenarbeit angeschoben hat. „Ich persönlich hätte gerne eine -Grüne Linie- aus verschiedenen Produkten, passend zu unserem Logodesign, aber auch zu unserer ökologischen Ausrichtung“, meint er. Ob ihm jemand diesen Gefallen tut, bleibt spannend. Schließlich geht es beim Industriedesign nicht nur um das reine Design für ein Produkt, sondern man muss auch das Werkzeug mitentwickeln, um das Produkt herzustellen, erklärt Franziska Schuh. „In jedem Fall sollen die Produkte, sofern sie durch uns dann umsetzbar sind, auch für die Frankfurter angeboten werden“, sagt Jens Walsdorf. Zum Topfmarkt am 01. Juni dieses Jahres wird das sicherlich noch nichts. Danach aber schon. Außerdem hat er schon die nächste Zusammenarbeit mit der Hochschule angebahnt. In einigen Tagen kommt ein Masterstudiengang der HTW Berlin nach Gronenfelde, um sich die Möglichkeiten anzuschauen, die Gebäude energetisch zu optimieren und so den Energiebedarf zu reduzieren. Auch hierauf freut sich der Geschäftsführer. In Zeiten steigender Energiekosten sind solche Möglichkeit natürlich einige Kilowattstunden wert.